Ein frühes Studium fängt den Wurm

Ein frühes Studium fängt den Wurm

Vor dem Abitur in das Studium reinschnuppern - das wäre doch super! Das ist zwar machbar, aber nur in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - den MINT-Fächern.

Dafür gibt es ein Beispiel. In Bad Harzburg hat ein Schüler nebenbei zu seiner Schulzeit am hiesigen Gymnasium ein paar Semester studiert. Schon im Alter von 14 Jahren schrieb er sich an der Technischen Universität Clausthal ein, um ein Student zu sein. Sein Themengebiet: die Informatik. "Die Grundlagen der Programmierung" - das war sein Thema bei der Vorlesung im Wintersemester 2011. Dabei bestand er die Prüfung. Bei einem späteren Studium wird ihm der Schein angerechnet.

Was ist der Sinn eines solchen Frühstudiums?

Die Zugangsmöglichkeit für "Frühstudenten" wird an vielen deutschen Universitäten bereits angeboten. Sehr leistungsstarke und gebildete Schüler einer Oberstufe werden durch ein Förderprogramm unterstützt. An der Universität können die hochbegabten Schüler an Lehrveranstaltungen kostenlos teilnehmen. Der Unterricht sei "nicht so trocken" wie an der Schule, meinte dieser frühe Student und Schüler aus Bad Harzburg. Da qualifizierte Fachkräfte in Deutschland sehr gering sind, wird der Nachwuchs schwer umworben und gefördert. Professor Andreas Hangleiter, seines Zeichens Koordinator der Technischen Universität Braunschweig (TU) für das Frühstudium, findet es wichtig, dass ein Schüler dennoch auch ein Schüler bleibt. Er wolle schon frühzeitig zeigen, was eine Universität anzubieten hat. Ein Abitur habe nach wie vor "Priorität", meinte der Professor. Das heutige Abitur ist schon eine große Anstrengung. Deshalb sei das Interesse an einem Frühstudium rückläufig.

Der Druck auf solche intelligenten Schüler nimmt zu - die Lernbelastung auch als Student ist sehr hoch

Ein Student sein und die Schule gleichzeitig zu bewältigen, ist für einen jungen Menschen eine große Doppelbelastung. Daher müssen die Eltern ihre Einwilligung geben. Auch eine Empfehlung und ein sogenanntes "Motivations-Schreiben" der Schule über die guten Leistungen müssen der Universität vorgelegt werden. Die schriftliche Bestätigung der Hochbegabung ist aber keine Voraussetzung. Die Kurse an der Universität finden morgens statt. Wird der Schüler dafür von der Schule befreit, muss er den entgangenen Lernstoff selbstverständlich nachholen.

Die Vorteile eines Frühstudiums - die Chance auf einen leichten Einstieg an der Universität

Katrin Balthaus (Studienberatung der Technischen Universität Clausthal) stellt die Anfahrten zur Universität in Aussicht, wenn es mehrere Frühstudenten von einer Schule (Gymnasium) gäbe. Sie könnten "Uni-Luft schnuppern", sagte sie. Eine Erleichterung zu Beginn des späteren Studiums sei möglich. Die Gebühren durch die kürzere Studiendauer sind geringer, und die talentierten Frühstudenten könnten in "höhere Semester einsteigen", so Katrin Balthaus. Als eine "Orientierungshilfe" bezeichnet Professor Andreas Engel von der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg das Angebot. Ein Abbruch eines Frühstudiums sei besser, als später in der eigentlichen Studienzeit. Er wählt mit anderen in einem Gremium für Physik solche Schüler aus. Er prüft ebenfalls, ob nicht die Eltern als Druckmittel hinter dem Schüler stehen. Immerhin muss die Motivation von dem jeweiligen Schüler selbst kommen.

Der Schüler aus Bad Harzburg hat bereits eine 38-Stunden-Woche. Mehr als viele normale Arbeitnehmer in Deutschland.