Lehre als Alternative zum Studium

Lehre als Alternative zum Studium

Wer erfolgreich das Abitur bestanden oder die Fachhochschulreife erworben hat, für den führt der weitere Ausbildungsweg in vielen Fällen selbstverständlich zum Studium. Gerade bei jungen Menschen mit akademischem Familienhintergrund ist ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium ein nicht weiter hinterfragter Baustein der Lebensplanung.

Oft zeigen sich dann aber beim Studium Probleme. Immerhin mehr als zwanzig Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen und Fachhochschulen brechen ihr Studium vorzeitig ab.

Motive für Studienabbruch breit gestreut

Die Motive für einen Studienabbruch sind vielfältig. Bei Studenten mit niedrigerer sozialer Herkunft spielen oft finanzielle Probleme und hoher Erwartungsdruck eine Rolle. Darüber hinaus sind falsche Vorstellungen vom Studium, fehlende Motivation, eine nicht auf die persönlichen Fähigkeiten zugeschnittene Fächerwahl, Leistungs- und Prüfungsdruck häufig genannte Anlässe für ein vorzeitiges Studienende. Viele Studenten haben auch Probleme mit der neuen Studienorganisation in Bachelor- und Master-Studiengängen. Ein Studienabbruch scheint zunächst einen Bruch im Lebenslauf darzustellen und berufliche Chancen zu beeinträchtigen. Dies muss aber nicht so sein. Häufig kann eine Lehre eine Alternative bieten, die auch Entwicklungsperspektiven eröffnet.

Lehrlinge gesucht wie nie

Eine kaufmännische oder handwerkliche Lehre stellt zunächst eine unmittelbar praxisbezogene Berufsausbildung dar, die nach erfolgreichem Abschluss auch in der Regel direkt in eine berufliche Tätigkeit führt. Dies gilt angesichts des demographischen Wandels und der derzeitigen wirtschaftlichen Lage in besonderem Maße. Selten gab es so viele offene Lehrstellen in Deutschland und waren Lehrlinge so gefragt wie zurzeit. Angesichts der sinkenden Schülerzahlen wird sich das Lehrlingsproblem in den nächsten Jahren noch verschärfen. Bereits heute wird vielfach ein Fachkräftemangel in Deutschland beklagt. Seitens der Wirtschaft und der Politik gibt es daher verstärkte Anstrengungen, Lehrlinge zu gewinnen. Für Studienabbrecher bedeutet dies eine Chance.

Lehre - mögliche Basis für den beruflichen Aufstieg

Die Lehre muss nicht zwangsläufig die Endstation der beruflichen Weiterentwicklung sein. Häufig bieten sich gerade für erfolgreiche Absolventen einer Lehre Möglichkeiten für eine Aufstiegsfortbildung im Rahmen der Angebote von Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern oder unternehmenseigener Ausbildungsprogramme. Die Karriereperspektiven sind dabei gegenüber Hochschul- und Fachhochschulabsolventen durchaus vergleichbar. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern auch Möglichkeiten für ein berufsbegleitendes Studium. Ein duales Studium ist eine ideale Gelegenheit, Berufspraxis und theoretisches Wissen miteinander zu verbinden, stellt aber auch besondere Anforderungen an Zeitmanagement, Selbstdisziplin und Organisation. Wer sich hier bewährt, hat oft besondere Aufstiegschancen. Einen Vorteil bietet die Lehre auf jeden Fall: im Unterschied zum Studium ermöglicht sie meist schneller eine gesicherte finanzielle Basis für die eigene Lebensführung und eine Familiengründung.

Traum vom Studium nicht beendet

Ein Studienabbruch ist daher keineswegs gleichbedeutend mit dem Ende des Karrierewegs. Eine Lehre bietet vielfältige Möglichkeiten, sich beruflich zu etablieren und gezielt weiter zu entwickeln. Auch der Traum vom Studium ist damit nicht beendet. Wenn kein berufsbegleitendes Studium gewählt wird, besteht immer noch die Möglichkeit, nach dem Abschluss der Lehre erneut ein Studium zu beginnen. Der Vorteil ist: Studenten mit abgeschlossener Lehre verfügen bereits über eine gewisse berufspraktische Erfahrung, ein finanzielles Fundament und die Chance, jederzeit wieder in den erlernten Beruf einzusteigen. Es lohnt sich daher, über die Lehre als Alternative zum Studium nachzudenken. Wer diesen Weg von vorneherein ausschließt, engt seine Perspektiven unnötig ein.